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Math-Rock-Revival in Grossbritannien I

Seit ungefähr zehn Jahren gibt es in England das sogenannte Post-Punk-Revival mit bekannten Bands wie Bloc Party, Maxïmo Park, Forward Russia und vielen mehr.
Doch auch ein Wiederaufleben einer anderen Musikrichtung findet derzeit in Engalnd und besonders in Oxford statt.
Das Math-Rock-Revival könnte man es nennen, Post-Rock sagen andere zur Musik.
Die bekanntesten Post-Rock-Bands Englands bzw. UKs sind 65daysofstatic, die es schon zu Weltruhm gebracht haben, und Mogwai, die 2008 ihr neues Album "The Hawk is Howling" veröffentlichen werden.
Doch diese beiden Bands gehören nicht zum Revival. Das Math-Rock-Revival ist eine Bewegung verschiedener Bands, mit einer auffälligen Ausbreitung in Oxford. Kein Wunder, dass Mathe-Musik aus DER Unistadt Europas schlechthin stammt.
Der bekannteste Newcomer unter den Math-Rock-Revival Bands sind "Foals", die im letzten Jahr mit ihrem Debütalbum "Antidotes" für Furore sorgten.
Doch beginnen wir einmal von vorn.

Was ist Math-Rock überhaupt?
Der Begriff "Math-Rock" beschreibt ein Subgenre des Experimental oder Progressive Rock. Die Musik zeichnet sich durch ihre rhythmische Vertracktheit und ihre geradezu anarchisch-demonstrative Überschreitung von Konventionen aus.
Das Hauptinstrument des Math-Rock ist die Gitarre, sie bildet die Grundlage für jeden Song, geleitet einen mit eckigen Melodien durch das Lied. Häufig antworten sich mehrere Gitarren und konstruieren so eine Art Gerüst, welches ständig Gefahr läuft, zusammenzubrechen. Klare Melodien verstecken sich hinter konfusen Riffs, verstärkt durch jazzig-punkige Drums, geleiten einen in eine andere Welt.
Gesungen wird in der Musikrichtung, die in den späten 80er Jahren besonders auflebte kaum, häufig wird ins Mikrofon geschrien, ähnlich wie bei Heavy Metal oder Punk.
Nichts destotrotz haben auch die Lyrics einer Math-Rock-Bands ihre Besonderheiten. Die Lyrics sind dissonant, widersprechen sich, sind schwer nachzuvollziehen.
Das Genre war und ist vor allem in den USA verbreitet, ganz besonders in den Städten Pittsburgh, Washington DC und San Diego. Bekannte Amerikanische Vetreter sind Don Caballero, oder die etwas mehr in Richtung-Hardcore spielenden Faraquet aus Washington.
Eine bedeutende Rolle spielte das Label Dischord Records, welches eine Vielzahl bekannter Hardcore bzw. Math-Rock-Bands vertrat. Yannis Philipakkis, Sänger von Foals, hat in Interviews schon mehrmals seine Liebe in Jugendzeiten zu Dischord Records und Bands wie Sweep the Leg Johnny bekundet.
Allerdings erfreut sich der Math-Rock nicht nur einer besonderen Beliebtheit in Amerika. Japan liebt Math-Rock ebenso wie Post-Rock. Der Inselstaat hat eine Vielzahl an modernen Größen des Genres hervorgebracht, wie z.B. Toe oder Lite.

Und was unterscheidet Post-Rock von Math-Rock?
Post-Rock ist die jazzigere, die lounchgeeignetere, die ruhigere Musik.
Sie ist meistens instrumental, und weniger vom Punk oder Hardcore geprägt als Math-Rock. Bekannte Post-Punk-Vertreter sind Mogwai, Godspeed You! Black Emperor.

Math-Rock-Revival von England in den letzten paar Jahren
Aber nun zum eigentlichen Thema dieses Posts, zum Math-Rock-Revival.
Bei jedem Revival gibt es Neuerungen der alten Musik gegenüber, so auch bei diesem Wiederaufleben.
Die Musik der Bands ist poppiger, angepasster, tanzbarer. Zudem kann man den großen Einfluss modernen Rocks spüren, nicht zuletzt auch den der Elektronischen Musik, der vor allem bei Foals sehr ausgeprägt ist.

Ich werde euch nach und nach Labels, Bands und wichtige Personen der Bewegung vorstellen, alles in Kategorien gefasst.
Im ersten Post werden erst einmal zwei Labels kurz vorgestellt.


Try Harder - Von Musikern für Musiker
Vom Label Try Harder kommen die Bands mit dem größten Erfolg in den letzten Jahren. Das Label wurde von Al English, dem Gitarristen der Band "Youthmovies" gegründet und beherbergt nun Größen wie "Foals", "Blood Red Shoes", "Tired Irie" und die Youthmovies themselves. Für 2009 ist ein Release der ehemaligen Band einiger Foals-Member angestrebt: The Ed Fitzgerald.

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Big Scary Monsters - DAS Label von Oxford
Wer sich die Platten von einigen neuen englischen Math-Rock-Talenten aneignet, der stolpert immer wieder über den einfallsreichen Namen dieses relativ jungen Labels, das Kevin Douch gründete, als er noch zur Schule ging.
So war das Label lange nur ein Name, nicht mehr und nicht weniger.
Doch in den letzten Jahren hat sich die Big Scary Monsters Recording Company zu einem der wichtigsten Labels der Math-Rock-Revival Szene gemausert.
Mit bekannten Bands wie "This Town Needs Guns", "Secondsmile", der schwedischen Post-Rock Gruppe "Jeniferever" und dem wohl bekanntesten Act, "Get Cape. Wear Cape. Fly" macht das Nullsummen-Label nun ein nicht allzu schlechtes Geschäft.

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Die Must-Haves des Winters

Mit Musik ist es wie mit Mode. Sie kommt und geht und kommt und geht. Es gibt die fröhliche Sommermusik und die melancholische Wintermusik, wie die kurzen Hosen im Sommer und die langen Mäntel im Winter.
Doch einen Unterschied gibt es: Das schöne, sonnige Wetter des Sommers wird man nicht so schnell leid, wie die Alben des Sommers.
Und so dürfen wir uns auf neues, auf neue Töne, neue Stimmungen freuen, und das mit Hochkarätern, die dieses Jahr auch im Winter erscheinen.

This Town Needs Guns - Animals
Schon seit vielen jahren machen die Oxforder Math-Rocker This Town Needs Guns wunderbare Musik, die Band gilt als eine der besten des Genres. Doch auf ein Album wartete der Hörer vergeblich - bis jetzt. Am 13. Oktober erscheint Animals, der erste Longplayer der Band.
Woher der Name? fragen sich jetzt wahrscheinlich wieder einige, und selbst wenn nicht, werde ich euch trotzdem diese schöne Geschichte erzählen.
Wie viele Math-Rock Bands hatten This Town Needs Guns irrelange Songnamen, wie z.B. "I'll forget about throwing that Rock cos that dance was pretty funny", die Oxforder beschlossen jedoch ihre Stücke mit kürzeren Namen zu betiteln, und kamen so auf die Idee, jedes Lied auf dem Album nach einem Tier zu benennen.
Ein wunderbar kreativer Marketing-Gag, und neben toller Musik bekommt man nun auch einen Crash-Kurs in Biologie. Wisst ihr z.b. was für ein Tier das Quetzal ist? Oder vielleicht der Chinchilla?

Promo_Video zu "Panda"



Kaiser Chiefs - Off with their Heads
Die Kaiser Chiefs sind angekommen am Olymp der Indie-Musik, schauen von oben auf die Welt herab und... langweilen sich.
So zumindest könnte es gewesen sein, das neue Album der Leedser Band zeigt das ihnen die immerselben Indie-Melodien wohl auf den Geist gegangen sind. Off with their Heads ist das mutigste, und innovativste Album der Kaiser Chiefs, produziert von Mark Ronson und mit Gastauftritten eines befreundeten Rappers.
Deutlich beeinflusst vom Klang der 80s, aber doch noch im typischen Indie-Rock präsentiert sich das Album mit mehr Synthesizern und deutlich elektronischeren Tönen als zuvor.
Ein Prelistening auf jeden Fall wert.

Bloc Party - Intimacy
Bloc Party ist eine Band die mit jedem Album etwas neues ausprobiert, versucht neue Sounds zu mischen, innovativ und nicht immer gefällig.
Besonders auf dem neuen Album haben Kele & Co. einen neuen Stil ausprobiert, ebenfalls wie bei den Kaiser Chiefs elektronischer, allerdings anders orientiert.
"Intimacy" verschreibt sich dem geordneten Chaos aus Gittare, Synth, Vocals, Drums und Gesang, indem es sich der House-Musik annähert, und tanzbare Rhythmen und Gesangsequenzen schafft. Einzige Schwäche: Der neue Stil wird auf dem Album nicht komplett durchgezogen.

Dartz! - The Sad History of the Village of Alnerique

Während man quasi keine Chance hat, der Handymucke vom Proll um die Ecke zu entgehen, während man gezwungen wird, mit Katy Perry's zugegebenermaßen gut produzierten (mehr aber auch nicht) Hit, die Ohren zu martern, stellt man sich irgendwann schon einmal die Sinnfrage über die Musikbranche Mainstream-Radio.
Zum Glück gibt es auch in dieser Geschichte einen strahlenden Helden - Union Jack weht mächtig im Wind, hier hört man das neue Album der Fratellis auf der Straße. Natürlich sieht es auch in UK nicht ganz so aus, aber dass die Musikszene nicht so im Tümpel der Noten herumirrt wie in der Heimat, versteht sich von selbst.
Und doch werden auch dort die meisten Bands, die der NME mal gerade nicht zu seinen Lieblingen auserkoren hat, sträflich missachtet.
"Dartz" (früher "Dartz!") hätten, an der Qualität ihrer Musik gemessen, einen Welterfolg verdient. Doch der blieb aus, auch als die Nord-Engländer mit ihrem Debütalbum "This is my Ship" den Markt fütterten.
Ein wunderbares Werk war das, Dartz und ¡Forward Russia! konnte und kann man mit einem Maß messen. Mit den Russland-Fans sind Dartz dann als Vorband auf Tour gegangen, und erspielten sich die musikalischen Herzen ihrer sprälich gesäten Anhänger.
Nun ist "The Sad History of the Village of Alnerique" erschienen. Um eines vorweg klarzustellen: Es handelt sich um ein Mini-Album von Acht Tracks, es darf also auch gut und gerne als EP bezeichnet werden.
Die Marschrichtung hatte Gitarrist Henry Carden schon im Interview mit dem WhiteTapes Indie E-Zine angekündigt - Ernsthafter, Nachdenklicher, Erwachsener sollte der Sound des Neuen Albums werden.
Dabei war schon das erste Album nicht gerade eine Comedy-Show!
Die Platte beginnt mit "The Arrival, Building Alnerique" und langsamen Math-Pop Soli mit Gesang im Hintergrund. Diese Session explodiert als der Sänger die imaginäre Wand durchbricht und der typische Dartz-Sound, von vielen mit "Dance-Punk" tituliert, schlägt einem entgegen.
Und, obwohl Dartz-typisch, ist dem Song doch tatsächlich ein gewisses Maß an Entwicklung zu erkennen - an positiver Entwicklung. Der Refrain taugt mehr als Handymucke, auch wenn er es wahrscheinlich nie so weit bringen wird.
Der Song endet, wie er begann - und man muss neidlos anerkennen: Dartz schaffen es, eine ganz bestimmte Atmosphäre zu kreieren. Nur wenige Bands bekommen das so gut hin, die (späten) Red Hot Chili Peppers und Bloc Party sind die bekanntesten, deren Musik darauf beruht.
Das zweite Stück heißt "Oskar & Ofelia" und ist im selben Stil geschrieben wie der Vorgänger - Erwachsener, Mainstream-Tauglicher, aber immer noch Dartz.
Doch trotzdem wächst die Erkenntnis, dass die Nord-Engländer viel Tellison und vielleicht sogar Minus The Bear gehört haben müssen.
"A New Venture from Mordecai & Sons" lässt dies noch deutlicher zum Vorschein treten. Hier klingen Dartz nach klassischem Math-Pop á la Other Men und Cats and Cats and Cats.
Doch ab der Mitte wird der Song neu gestartet und im neuen Rhythmus wird der Dartz-Stil erneut gekonnt mit Math-Pop verbunden. Und wieder eine tolle Melodie, auch der Sänger hebt die Qualität der Band erheblich.
Mit "The Clandestine Choir" hören wir ein typisches "Post-Punk-Math"-Lied, das auch auf "This is my Ship" gepasst hätte. Post-Punk vermischt sich mit Indie, Math-Rock und Melancholie und es entsteht ein sehr genaues, wenn auch kompliziertes Bild im geistigen Auge. Der Schwerpunkt liegt auch hier, wie im ganzen Album, auf den Math-typischen Gitarrensoli, die dem Genre in den 80ern auch ihren Namen gaben (anm. Der Name Math-Rock beschreibt die komplizierten Rhythmen und Soli des Musikstils).
Am Beginn von "What Happens to Places where Spaces should be" merkt man, dass Dartz am Sound experimentiert haben. Genial, passend zum Titel des Liedes wird die Gitarrenmelodie zu Anfang von Wasserplätschern und spacigen Elektrosounds ausgeblendet - und dann sind die 2:11 min. auch schon vorbei und wir hören mit "The Lay of the Land" wieder ein rockigeres, aggressiveres Lied. Die Melodie in der Strophe wird immer wieder unterbrochen, und die felsigen Gitarrenriffs stoppen. Dann beginnt alles von vorn, doch die Band schafft es gut Langeweile vorzubeugen, indem sie kreative Melodien schafft.
Als das zweimal gemacht wurde, kommt der Rhythmuswechsel und die Gitarren steigern sich, als würden sie einen Berg erklimmen, bis sie irgendwann stoppen und alles von vorne beginnt - vom Songwriting her ein Spiegelbild, und doch genial ausgeklügelt. Eine Art Hommage an Syssifus.
"Embers" ist dann wieder ein ruhigeres Stück, wie uns das Album gezeigt hat, können Dartz auch ruhigere Songs super spielen. Wieder wird eine tolle Stimmung erzeugt, die Gitarre klingt nun, abwertend gesagt, wie beim Griechen nebenan und die Blasinstrumente übernehmen das Kommando des Instrumentals. Denn Gesang ist hier bislang fehl am Platz, und den Gesang vermisst man auch nicht. Denn der Song ist gut, so wie er ist, und außerdem kommt ja noch das letzte Stück "The End, Moving On".
Zu diesem Song gibt es nicht viel zu sagen. Ein typischer, melancholischer Dartz-Song im Stile von This Town Needs Guns, nur poppiger, catchier. Leichter zu verarbeiten, mit einem erneut Weltklasse-würdigen Refrain und Gitarrenhsoli für den Fortgeschrittenen-Unterricht. Erneut klingt auch der Tellison-Einfluss durch.
Und dass der Song wirklich wie Das Ende klingt, braucht man bei Dartz wohl kaum noch hinzu zu fügen. Ein gelungener Abschluss.
9/10 Punkten.




Dartz - The Clandestine Choir live at Banquet Records Instore (Low Quality)


Dartz! - Once, Twice, Again Offizielles Video (von This is my Ship)